RAMADAN
 

Wann fastet man? Wie fastet man? 

Mit dem Beginn des Ramadan bricht die Fastenzeit an.

Da der Ramadan ein Monat des Mondkalenders ist, dessen Jahr nur 354 Tage dauert, durchläuft er im Laufe von ca. 33 Jahren alle Jahreszeiten.

Das heisst, dass der Muslim es lernt, die Entbehrungen des Fastens während drückender Hitze ebenso zu ertragen wie bei strenger Kälte. Das Fasten ist jedem Muslim und jeder Muslimin ab der Pubertät vorgeschrieben.

Entbunden von der Pflicht zu fasten sind Kinder, Altersschwache, Kranke, Reisende und Frauen während der Menstruation, der Schwangerschaft und nach der Entbindung.

Vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang sind Essen, Trinken, Einatmen von aromatischem Rauch, die Zufuhr von jeglichen Stoffen und geschlechtlicher Kontakt untersagt.

Wenn am Morgen die Absicht zu fasten gefasst wurde, dieses aber vorzeitig gebrochen wird, gilt der betreffende Tag nicht als Fastentag und erfordert je nach Situation einen Ausgleichsakt. Allerdings gibt es eine Reihe erleichternder Regelungen, die dem Fastenden in verschiedenen Situationen entgegenkommen und diesen Ausgleichsakt minimieren.

Denn überhaupt bietet der Islam genügend Freiräume, die sich in schwierigen Situationen nutzen lassen.

Im Koran heißt es, dass Gott es den Menschen leicht machen will und von niemandem mehr verlangt, als er zu leisten vermag. So gibt es Regelungen, die einen vorzeitigen Abbruch von Fastentagen ermöglichen und vor allem für Menschen gelten, die vom Fasten völlig erschöpft sind. Erfolglos verlaufene Fastentage sollen bei nächster Gelegenheit nachgeholt werden. Wenn die Umstände aber auch das verbieten, so ist eine Armenspeisung vorgeschrieben. Am erstrebenswertesten ist laut Koran aber zu fasten und gleichzeitig armen Menschen Speise zu geben. Wenn beide Alternativen nicht realisierbar sind, so soll sich der Muslim in die Barmherzigkeit Gottes flüchten.

Der Ablauf eines Ramadan-Tages
Eine vom Propheten vorgegebene unverbindliche Praxis ist es, zu einem Frühstück aufzustehen um sich für den anstehenden Fastentag ausreichend zu stärken. Die Familie findet sich zusammen und nimmt vor dem Morgengrauen möglichst spät ein Frühstück zu sich. Gegebenenfalls wartet man auf die Dämmerung, um noch vor Aufgang der Sonne das rituelle Morgengebet zu verrichten.

Währenddessen kann sich der Muslim mental auf das Fasten vorbereiten, indem er sich z.B. in Koranrezitationen oder Lobpreisungen Gottes vertieft. Ansonsten sind die Fastenden dazu angehalten, ihren üblichen Tagesablauf beizubehalten. Allerdings sollen die Muslime nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit dem Geist fasten. Üble Nachrede, Lüge und Verleumdung gelten als besondere Herabwürdigung des Ritus. Von den Mitmenschen wird gegenüber den Fastenden Rücksichtnahme verlangt.

Das Auftreten von Hunger und Durst ist nicht etwa ein unerwünschter Nebeneffekt, sondern gerade der zentrale Bestandteil des Fastens. Denn nur so entfaltet das Fasten seine Wirkung auf Geist und Charakter des Menschen.

Wenn der Sonnenuntergang naht, ist es nach den Worten des Propheten das gute Recht eines jeden Muslims, sich auf das Fastenbrechen zu freuen. Um den schönen Moment des Fastenbrechens in der Gemeinschaft zu erleben, versucht man entweder mit der Familie oder mit Freunden, vor allem aber auch mit ärmeren Menschen zusammenzukommen bzw. sie mit ihrer ganzen Familie zu sich nach Hause einzuladen.

So könnte eine Fastenbrechen-Mahlzeit (Ftour/"Frühstück") aussehen:

Datteln, Buttermilch, saisonale Süssigkeiten (analog Weihnachtsgebäck), Süssgetränke, Milchkaffe und sonstige Leckereien.

Das eigentliche Abendessen findet spät abends so gegen 23 Uhr mit den traditionellen Gerichten statt: Couscous, Tajine etc.

Muslime fasten also nicht einen Monat hindurch, sondern jeweils nur vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang. Dabei ist ihnen nicht nur das Essen, sondern auch das Trinken untersagt. Zwischen Sonnenuntergang und Morgengrauen ist dafür alles wieder erlaubt, was während des Tages verboten ist. Dennoch sollte man weder beim Frühstück noch beim Fastenbrechen zu viel essen und trinken. Denn es geht ja nicht darum, den ganzen Tag nichts zu essen, um sich dann am Abend über das Mass hinaus beim Essen zu verausgaben; vielmehr sollte man die Entbehrungen während dieser geistigen und körperlichen Übung im Gehorsam gegenüber Gott einzig und allein für Sein Wohlgefallen auf sich nehmen.

Auch ein überschwängliches Feiern des Fastenbrechens am Abend entspricht nicht dem Wesen des Fastens. Damit der Fastende optimal vom Ramadan profitiert, sollte er seine Abende eher mit spirituellen Aktivitäten verbringen.

Das Ramadanfest (das kleine Fest "Aid l'Fitr")

Das Ende des Ramadans ist ohne Zweifel das dreitägige Ramadanfest, das an den letzten Fastentag anschließt.

Dieses Fest ist einerseits ein Ausdruck der Freude, den Ramadan erlebt zu haben, und andererseits ein Höhepunkt der gemeinschaftlichen Verbundenheit.

Das Ramadanfest ist neben dem Opferfest (das grosse Fest "Aid l'Kbir") eines der beiden Hauptfeste der Muslime. Nach dem Festtagsgebet am Morgen des ersten Tages beginnt eine Zeit der Warmherzigkeit, in der sich alle Familienmitglieder und Freunde gratulieren, sich gegenseitig besuchen und sich jeder zum Ziel setzt, aus Feinden und Zerstrittenen Freunde zu machen. Nach dem Ramadan sollen alle Unstimmigkeiten ausgeräumt und Frieden und Freundschaft eingekehrt sein. Kinder geniessen bei diesem Fest die besondere Aufmerksamkeit der Erwachsenen.

Es ist Brauch, dass Kinder von Haus zu Haus gehen und mit Süssigkeiten beschenkt werden. Überall in der islami-schen Welt ist es aber auch Sitte, dass jüngere Menschen die älteren besuchen und ihnen zum Ramadan-Ende gratulieren. Mancherorts sind an den Festtagen öffentliche Verkehrsmittel kostenlos nutzbar, damit auch Ärmere ihre Verwandten besuchen können. Über eine Milliarde Menschen feiern dieses Fest des Friedens und nehmen sich vor, eine friedliche Welt zu schaffen - eine friedliche Welt, weil sie daran glauben, dass eine Welt ohne Frieden keine menschenwürdige und Gott gefällige Welt sein kann. Und man kann zurecht feststellen: Die Botschaft des Ramadan ist die Rückbesinnung auf Bescheidenheit, Spiritualität und Nächstenliebe. 

Quelle: www.enfal.de; mit persönlichen Ergänzungen von Christine Ferrari

 

Christine Ferrari   |   Le Paradis du Safran   |   km 31, Route d'Ourika, Douar Takaterete, Ait Touchente   |   Ourika/Marrakech  |   Tel. +212-6 28 79 69 79


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